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Ernährungssicherheit

Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft weltweit vor nie dagewesene Herausforderungen mit verheerenden Folgen. In Micani führen Dürren, Starkregen und Hagelstürme schon heute zu Ernteausfällen und einer prekären Ernährungssituation. In unserem Projekt „Ernährungssicherheit“ setzen wir uns für resiliente Ernährungssysteme und nachhaltige Landwirtschaft ein, um die Ernährungssituation und Perspektive der Landbevölkerung langfristig zu verbessern.
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Phase I: April 2018 – September 2019

Phase II: Oktober 2019 – Dezember 2021

Phase III: Ab Anfang 2022

Projektvolumen (Phase II):  ca. 45.000 €

Fundación SODIS, Gobierno Autónomo Municipal San Pedro de Buena Vista, Instituto Sayarinapaj, Projektpartner-schaft im Rahmen eines Global Grants der Rotary Foundation (Rotary Clubs: München-Blutenburg, Cochabamba-Tunari, Mülheim-Ruhr, Saarbrücken-St. Johann, Straubing, Barcelona-Pedralbes, Rotary Distrikt 1842)

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Wirkung

Verbesserung des Ernährungszustands und Rückgang von ernährungs-assoziierten Erkrankungen
Weiterbildung im Bereich ausgewogene Ernährung und nachhaltiger Landwirtschaft (und bzgl. der Dorfschulen: Kontakt mit der Thematik schon im Kindesalter)
Erhöhter Zugang zu Gemüse (für Dorfschulen und Familien) durch verbesserte Infrastruktur und Lagermöglichkeiten (sowie erweiterte Kenntnisse)
Geringere Krisenanfälligkeit über eine klimaresilientere Landwirtschaft
Phase I_Projektentwicklung: Die Mikrobewässerungssysteme als Lösung funktionieren!

Mit den jetzigen und zukünftigen Problemen der Lebensmittelversorgung im Hinterkopf, begannen wir 2018 die Pilotphase, die zunächst Projektaktivitäten an Dorfschulen vorsah und als Zielgruppe insbesondere Kinder hatte. Viele Kinder müssen oft mehrere Stunden zu Fuß laufen, um am Unterricht teilnehmen zu können und sind dabei auf eine reichhaltige Mahlzeit in der Schule angewiesen. Gemeinsam mit einer Gruppe bolivianischer BerufsschülerInnen des „Instituto Tecnológico Sayarinapaj“, entwickelten wir im Rahmen unseres Projekts „Bildung Bleibt“, ein Konzept für Dorfschulgärten. Ein Modell einer wassersparenden Bewässerungsanalage wurde entwickelt und als Pilotprojekt an vier Dorfschulen Micanis implementiert. Angepasst auf die extremen klimatischen Anforderungen sollten die neuen Gärten mit regengespeisten saisonalen Wasserspeichern und effizienter Tropfschlauchbewässerung, mit der regional typischen Fruchtwechsel-wirtschaft und Verbundwirtschaft von Obst- und Gemüsepflanzen eine gesunde Lebensmittelvielfalt schaffen. Tatsächlich wurde bereits im ersten Jahr klar: Mit dem Konzept gelingt es auch inmitten der Trockenzeit, vitaminreiches Gemüse anzubauen, das an den Dorfschulen eine ausgewogenere Ernährung ermöglicht.

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Die Idee ist einfach: Zum einen lernen die Kinder in den Schulgärten von klein auf, wie nachhaltige Landwirtschaft sowie gesunde Ernährung auch in Dürrephasen funktioniert. Zum anderen profitiert die gesamte Bevölkerung durch Workshops in diesen Modellgärten.

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Phase II_Skalierung: Schulgärten als Leuchtturmprojekte

Nach der Pilotphase wurde der Bau der Schulgärten auf alle 16 Dorfschulen der Region ausgeweitet. Neben Bau und Implementierung der Technologien liegt der Projektfokus auf dem Wissenstransfer: nicht nur die Benutzung und Wartung der Bewässerungsanlage, sondern auch der Umgang mit den Lebensmitteln und die Prinzipien einer ausgewogenen, gesunden Ernährung sind Inhalte der Schulungen für Lehrer:innen, Schüler:innen, Schulköchinnen und Dorfbewohner:innen.
 

Dorfschulen kommt im ländlichen Bolivien eine besondere Bedeutung zu. Die Schule steht im Mittelpunkt der Gemeinde. Hier finden Versammlungen, demokratische Prozesse, Feste und Bildungsmaßnahmen auch für Erwachsene statt. Im Rahmen unseres Projektes bauen wir auf dieser zentralen Rolle der Schulen auf. Die Idee ist einfach: Zum einen lernen die Kinder von klein auf in den Schulgärten, wie nachhaltige Landwirtschaft sowie gesunde Ernährung auch in Dürrephasen funktionieren. Zum anderen kann die gesamte Bevölkerung durch die Workshops in diesen Modellgärten profitieren. Durch die Bedeutung der Dorfschulen kann so ein „Leuchtturmeffekt“ erreicht werden.

Aufgrund der Höhenlage einzelner Dörfer und somit kälteren klimatischen Bedingungen ist der Anbau von Gemüse im Freien erschwert. Deshalb werden zusätzlich zur Einrichtung der Tröpfchenbewässerungsanlagen in 6 der 16 Dorfschulen Gewächshäuser, sogenannte „Carpas Solares“, errichtet.

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Phase III_Projektzukunft: Übertragung auf Familien (derzeit in Planung, Start: Anfang 2022)

Da das Projekt auf großes Interesse stößt, werden in der nächsten Projektphase Angebote für ganze Familien geschaffen, nicht mehr nur für Dorfschulen. Die flächendeckende Verbreitung von Technologien und Wissen sollen ermöglicht werden. Alle am Projekt teilnehmenden Familien erlangen Grundwissen über ausgewogene Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft. Zusätzlich werden Familien finanziell dabei unterstützt, die Infrastruktur ihres familiären Gartens aufzubauen bzw. auszubauen. Da die Familien über unterschiedliche Vorkenntnisse und Bedingungen vor Ort verfügen, soll jede Familie an ihrem Ausgangspunkt abgeholt werden. Im Gegensatz zu vorherigen Projekten sind standardisierte Lösungen nur noch zum Teil umsetzbar. Stattdessen werden mithilfe des Personals der Fundación SODIS, des etablierten Lokalexpert:innen-Netzwerks sowie des Sozialunternehmens CAMCEC individuelle und kreative Lösungen erarbeitet. Familien sollen aktiv einbezogen werden und ihren Familiengarten als ihr individuelles Projekt sehen, das es (mit Unterstützung) selbst zu managen gilt.

Der Klimawandel stellt eine der größten Herausforderungen für die weltweite Ernährungssicherheit dar:

 

Es ist an der Zeit gegenzusteuern!

Aktuelle Beiträge zu Ernährungssicherheit
 

Hintergründe

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Der Klimawandel als Herausforderung für die Landwirtschaft, speziell im globalen Süden

Dürren, Starkregen und Hagelstürme – die Klimakrise stellt die Landwirtschaft vor bisher nie dagewesene Herausforderungen mit verheerenden Folgen für die Ernährungssicherheit weltweit. Während diese in Deutschland meist durch Wohlstand, Infrastruktur und globale Vernetzung abgefangen werden können, sind sie im globalen Süden umso deutlicher spürbar, denn ein großer Teil der Bevölkerung ist alternativlos auf die lokale Landwirtschaft angewiesen.

In Bolivien sind viele Familien in der Landwirtschaft tätig, darunter viele Kleinbauern, die Subsistenzwirtschaft betreiben. Ihr Leben ist direkt von den Ernten und somit vom Klima abhängig. Die Regenzeit ist heute im Schnitt 3 Wochen kürzer, Beginn sowie Ende sind zunehmend unregelmäßiger und Bauern können landwirtschaftliche Aktivitäten seltener vorausplanen. Außerhalb der Regenzeit fällt kaum Niederschlag. Für diese Bauern bedeutet das nicht bloß monetäre Einbußen, sondern Notstand.

Micani durch fehlende Infrastruktur besonders betroffen

Bedrohlich sind klimatische Veränderungen besonders für die Bolivianer:innen in den ländlichen Regionen, die trotz Landflucht noch ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Sie leben häufig in kleinen indigenen Gemeindeverbänden aus 20 bis 40 Familien.
Die meisten Gemeinden des Distrikts Micani haben keinen Zugang zu Strom und fließend Wasser. Die Wege zu den Wasserquellen sind lang und erschwerlich. Es gibt nur selten oder nur eingeschränkt die Möglichkeit, Wasser zu speichern. 

Zudem beobachten wir, dass Kenntnisse über Anpassungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft an den Klimawandel und allgemein Wissen über ausgewogene Ernährung kaum vorhanden sind, sodass Potenziale ungenutzt bleiben. 

35% der Kinder sind chronisch mangelernährt

Obst und Gemüse können so in der Trockenzeit kaum angebaut werden (s.o.). Hinzu kommen fehlende Konservierungs- und Lagerungsmöglichkeiten für Lebensmittel. Die Dorfbewohner:innen müssen sich über Monate hinweg fast ausschließlich von Mais und Kartoffeln ernähren. Dies führt zu einer prekären Ernährungssituation. Wie eine Studie des Ministeriums für Entwicklung in Bolivien (Fondo nacional de desarrollo integral, Ministerio de Desarrollo Rural y Tierras) im Juni 2018 belegt, sind aufgrund der einseitigen Ernährung alarmierende 35% aller Kinder im ländlichen Raum chronisch, schwer mangelernährt. Doch fehlt es ihnen nicht an Kalorien, sondern an Proteinen und Nährstoffen, die für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind. Mangelernährung wiederum birgt große Risiken für weitere gesundheitliche Folgen und gefährdet die Entwicklung der Kinder: der Grundstein eines Teufelskreises. Es liegt keine spezifische Zahl für Micani vor, jedoch lässt sich vermuten, dass in Micani weitaus mehr Kinder mangelernährt sind, da es sich um einen der ärmsten Distrikte des Landes handelt.

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