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Khuska Purispa - Gemeinsam gehen

Geschlechterungerechtigkeit ist ein globales Problem und auch im stark patriarchalisch geprägten Micani sehr präsent. Mit “Qhari Warmi” ist es uns gelungen, diese Strukturen in Teilen zu durchbrechen und Frauen und Männer zu gleichen Teilen beim Aufbau von Familienunternehmen zu integrieren.  Das Folgeprojekt Khuska Purispa führt diese erfolgreiche Entwicklung fort und erweitert sie um weitere Arbeitszweige, für mehr finanzielle Unabhängigkeit unter Einbezug der gesamten Bevölkerung.

Projektvolumen:  ca. 50.000 €

Projektzeitraum: Jan 2022- Dez 2024

Fundación Sodis, SOCODEVI, Gobierno Autónomo Municipal de San Pedro de Buenavista, ALTERNAID Stiftung für Menschen in Not, Action Five

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Wirkung

Stärken der finanziellen Unabhängigkeit bzw. Aufbau einer nachhaltigen Einnahmequelle für Familien
Empowerment bzw. Fördern der Unabhängigkeit von Frauen und ihrer Mitbestimmung in ihren Familien und in der Gemeinde
Aufbrechen von Geschlechterrollen und Fördern der Geschlechtergleichstellung in Micani
Stärkung des Selbstbewusstseins in der Bevölkerung Micanis über die Erlangung neuer Fähigkeiten/neuen Wissens
Fortschreiben einer Erfolgsgeschichte

Mit dem Projekt Qhari Warmi sind wir einen ersten Schritt gegangen, zu mehr Gleichberechtigung in einer Region, in der Frauen stark systematisch unterdrückt werden. Khuska Purispa baut auf den Erfolgsgeschichten des Pilotprojekts Qhari Warmi auf. Um das Programm dem Alltag der Frauen anzupassen, verzichten wir weitestgehend auf zentrale Schulungen, die einer längeren Anreise zum Hauptort des Distrikts bedürfen. Stattdessen finden Schulungen überwiegend dezentral direkt in den Dörfern mit den Familien statt. Eine intensive Zusammenarbeit mit allen Bewohner:innen Micanis kann hierbei nur sichergestellt werden, indem das Team aus Spezialisten im Feld auch durch weibliche Kräfte gestärkt wird. Hierdurch wird durch das Betreuerteam die erwünschte geschlechterübergreifende Zusammenarbeit vorgelebt und die Möglichkeit geschaffen, gezielt auf die Bedürfnisse (insbesondere der weiblichen) Bevölkerung einzugehen. Konkrete Schulungsinhalte sind beispielsweise Informationen zum Kleinunternehmertum für Familien, Unterstützung beim Aufbau dieser Unternehmen (z.B. Anbau des Tara-Baums) und Aufklärung im Themengebiet Gleichberechtigung sowie das Empowerment von Frauen und Familien.

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Khuska Purispa zeigt uns, dass wir gemeinsam und mit gegenseitiger Unterstützung eine bessere Welt für die Frauen und Mädchen künftiger Generationen schaffen können. Wenn wir gemeinsam gehen, werden wir stärker sein gegenüber Ungerechtigkeit und einer Gesellschaft, die uns als Frauen herabsetzt.

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~ Indira Huamanga, Ehrenamtliche Aktion Sodis
Kleinunternehmertum als Versprechen für finanzielle Sicherheit und Gleichberechtigung

Durch den Aufbau eines Familienkleinunternehmens soll es den Frauen und Männern in Micani ermöglicht werden, selbstständig Einkommen zu generieren und so ihre finanzielle Unabhängigkeit zu stärken. Den Frauen ermöglicht die Teilnahme am Projekt ein höheres Maß an wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Teilhabe, sowie die Stärkung ihrer Rolle innerhalb der Familie und der Gemeinde. In der Pilotphase (Qhari Warmi) lag der Fokus vor allem auf dem Anbau von Tarabäumen, einer heimischen, für das trockene Klima geeigneten Pflanze, deren Früchte Stoffe für die Verarbeitung von hochwertigem Leder oder für Nahrungsergänzungsmittel liefern. Durch ihren Verkauf können die Familien, in einer landwirtschaftlich geprägten Region, klimaresistent Einkommen generieren.
Um die Menschen zukünftig auch in der Realisierung ihrer eigenen Ideen für Kleinunternehmen zu fördern, wurde ein Community Fund eingerichtet. Das Prinzip dahinter ist die Vergabe von Mikrokrediten an Familien, sodass diese über ein Startkapital zur Gründung eines Kleinunternehmen verfügen. Wenn durch das Unternehmen ein Einkommen generiert werden konnte, zahlen die Familien die Kredite Stück für Stück zurück. So gelangt das Geld wieder zurück in den Community Fund und weitere Familien können von dem Prinzip profitieren.

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Mit Nähen gegen Pandemie und Ungleichheit

Weiterer Teil des Projektes ist das Nähunternehmen Sirany. Hintergrund war, dass im Frühjahr 2020 das Coronavirus auch unsere Region Micani erreichte. Viele Projekte konnten deshalb zunächst nicht wie gewohnt weitergeführt werden. Als eine Maßnahme der Virusbekämpfung wurde daraufgehend schnell eine Nähinitiative gegründet, die sich zunächst auf die Produktion von Stoffmasken spezialisierte. Mit Erfolg, denn bis heute wurde die Produktion stetig ausgebaut, sodass 16 Frauen ein festes Einkommen durch das Nähunternehmen erhalten und bereits 700 Masken produziert wurden. Mit neuen Ideen wurde das Nähprojekt zudem über die Pandemie hinaus zukunftsfähig gemacht. Heute werden neben den Masken auch Schuluniformen und traditionelle Kleidungsstücke gefertigt. Von Anfang an unterstützt ein professioneller Nähmeister bei der Produktion und schult die Frauen und Männer zu Themen wie Stoffproduktion und Kleidungsentwurf.

Da wir uns mit unserem Projekt grundsätzlich für das Voranschreiten der Gleichberechtigung in Bolivien einsetzen, war es uns wichtig auch das Nähprojekt unter diesen Gesichtspunkten zu implementieren. Es wurden hauptsächlich Frauen eingestellt, so konnte neben den Aspekten der Pandemieeindämmung, auch erreicht werden, dass diese ein eigenes Einkommen und dadurch mehr Eigenständigkeit erhalten. 

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Empowerment durch Vorbilder

Durch weitere Aktivitäten versuchen wir, geschlechtertypische Barrieren für die Frauen in Micani zu durchbrechen sowie sie selbst dazu zu empowern, in einem patriarchalischen System für Gleichberechtigung zu kämpfen. 

Über ein Local Leader Programm bilden wir Frauen aus, als Rollenvorbilder und Verantwortungsträgerinnen in ihren Gemeinden die Gleichberechtigung im Alltag aktiv vorzuleben und zu fördern. Dies soll andere Frauen in ihrem Selbstbewusstsein stärken und dazu ermutigen, ebenfalls eine solche Rolle in der Gesellschaft einzunehmen. Durch regelmäßige, organisierte Frauenrunden schaffen wir zudem Safe Space's, in denen sich Frauen untereinander austauschen und helfen können und Probleme offen angesprochen werden können.
Schließlich sollen durch regelmäßige, mit den Dorfschullehrern abgestimmte Aktivitäten, die Kinder in der Schule für Gleichberechtigung sensibilisiert werden. Durch eine bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Werten, lernen sie das dominierende patriarchalische System zu hinterfragen, Gleichberechtigung wird so zunehmend normalisiert. 


In den drei Jahren die unser Pilotprojekt lief, haben wir schon vieles erreicht. Aber der Weg zur Gleichberechtigung in Micani ist noch weit. Am Ende von Khuska Purispa wollen wir durch den Community Fund und die Local Leader nachhaltige Strukturen geschaffen haben, damit die Frauen und Männer in Micani selbstständig die Gleichberechtigung vorantreiben und ihre finanzielle Unabhängigkeit verbessern können.

Aktuelle Beiträge zu Khuska Purispa
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Systematische Diskriminierung: Nur 2 % aller Entscheidungen in der Region Micani werden von Frauen mitgetroffen

Hintergründe

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14.638 Frauen leben in San Pedro de Buenavista, jener Region, der auch Micani zugehörig ist. Nichtsdestotrotz sei die Beteiligung von Frauen auf Gemeinde- und Gewerkschaftsebene weder aktiv noch effektiv, so Nora Fernández (bolivianische Expertin im Feld der Gleichberechtigung und Stärkung von Organisationsstrukturen). 

Weil die Region Micani heute noch so stark patriarchalisch geprägt ist, sind viele Frauen in den Möglichkeiten ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten eingeschränkt. Generell muss zum aktuellen Zeitpunkt gesagt werden, dass Frauen in der lokalen Gesellschaft systematisch diskriminiert werden. So besagt die Studie „Brechas de Genero“ [Helvetas Swiss Intercooperation, 2014] zur gesellschaftlichen Teilhabe der Frau, dass in der Region nur 2% aller Entscheidungen von Frauen mitgetroffen werden. So nähmen sie häufig nur als Zuhörerinnen oder als Köchinnen am Leben der Gemeinde teil, wie Nora Fernandez weiter ausführt. Das liege besonders am weit verbreiteten Analphabetismus, der Verantwortung für Kinder und Tiere, an fehlenden Führungs- und Durchsetzungsfähigkeiten, sowie an der allgemeinen Unkenntnis eigener Rechte.

Nur 30% der Frauen besuchen eine weiterführende Schule und sind daher häufiger von Analphabetismus betroffen

Während die Männer in der Regel bilingual (Spanisch und Quechua) sind, sprechen die meisten Frauen ausschließlich Quechua – obwohl die Amtssprache Spanisch ist.Nur 30% der Frauen besuchen eine weiterführende Schule [EMSA, 2019] und sind daher häufiger von Analphabetismus betroffen. Die geringe Bildung und Aufklärung werden damit in Verbindung gebracht, dass die Geburtenrate der Region mit im Schnitt 7 Kindern deutlich über der nationalen Rate von 4 Kindern pro Frau liegt.

Männer verwalten das Geld im Haushalt

Die Verdienste gelten in den Familien in der Regel nicht als gemeinsam erwirtschaftet: Dadurch, dass es meist die Männer sind, die wirtschaftlichen Tätigkeiten nachgehen, sind sie in den Familien oft die alleinigen Geldverwalter und haben daher mehr Gestaltungsspielraum, Handlungs- und Entscheidungsfreiheit.

70% aller Bolivianerinnen Opfer von Gewalt gegen Frauen

Zu der grundlegenden Diskriminierung kommt erschwerend hinzu, dass Frauen häufig Opfer sexueller, physischer und psychischer Gewalt werden. Nach Zahlen des CIDEM (Centro de Informacion y Desarrollo de la Mujer) sind 70% der bolivianischen Frauen davon betroffen und machen damit die größte Zahl aller lateinamerikanischen Länder aus.

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