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Was tun gegen die Ernährungsarmut?



„Lass mich auch mal, ich bin dran!
„Und wie viel wiegst du?
„Haha, ich bin sogar 10 cm größer als du!

Die Kinder im Klassenzimmer der Primaria in Ipote rufen wild durcheinander. Heute ist ein besonderer Tag, denn heute hat die Schulklasse Besuch bekommen. Und dieser Besuch hat eine Waage und ein Maßband und viele Fragebögen mitgebracht.

Erst seit wenigen Wochen dürfen die Kinder aus den Gemeinden Micanis wieder zur Schule gehen. Die Corona-Pandemie hatte es ihnen im kompletten letzten Schuljahr verwehrt. Nun aber soll Normalität einkehren, besonders für Regionen wie das ländliche Micani. Trotz wieder steigender Corona-Zahlen im Land hält die Regierung für diese Kinder am Präsenz-Unterricht fest, denn sonst gäbe es für die meisten keine Möglichkeit zu lernen – und sie haben schon viel einbüßen müssen im letzten Jahr.



Ein Schulstart voller Aktivitäten


Im Projekt Ernährungssicherheit kommt uns die Präsenz der SchülerInnen zugute. Passend zum Jahresbeginn sind in allen Dorfschulen nach den langen Ferien die Mikrobewässerungssysteme wieder aufgebaut worden und nun im Herbst hat jede Schule schon mindestens eine Ernte hinter sich. Den Schulstart nutzten wir nicht allein zur technischen Implementierung sondern auch zur Durchführung einer Ernährungsstudie. Die war schon lange geplant, doch aufgrund der pandemischen Lage zu keinem früheren Zeitpunkt umsetzbar.

Die Zahlen des Gesundheitsministeriums und die Krankheitsstatistiken zeigen, dass Mangel- und Fehlernährung weiterhin ein großes Problem für die Kinder der Region darstellen. Um zu sehen, wie wir individuell und zielführend auf die einzelnen Gemeinden und ihre Bedarfe eingehen können, benötigen wir detailliertere Daten. Woran genau fehlt es in der Ernährung? Vitamine, Proteine, Spurenelemente? Nur auf Grundlage dieses Wissens kann der Speiseplan der Kinder entsprechend optimiert werden.



Die Kooperation mit der Universität Mayor de San Simon


Zwecks dieser Datenerhebung begann eine Kooperation mit der staatlichen Universität in Cochabamba, der UMSS (Universidad Mayor de San Simon) und nun begleiten drei Studierende der Ernährungswissenschaften unser Projekt. Sie besuchen die Dörfer, wiegen und messen die Kinder, fragen genauer nach Ernährungsgewohnheiten, dem Konsum von Gemüse in der Trockenzeit, dem Schulweg und der sonstigen körperlichen Aktivität. Die Datenerhebung ist nicht immer einfach, doch besonders die kleineren Kinder haben dabei viel Spaß. So berichten uns die Studentinnen Veronica, Pamela und Miriam davon, dass die Kinder an den Dorfschulen voller Stolz ihr Gewicht und ihre Größe untereinander vergleichen und manche sogar versuchen, sich mehrmals in die Schlange einzureihen, um noch einmal gewogen zu werden.

Die ersten Daten sind im Sommer erhoben worden. Dann begann für die Studierenden die Projektarbeit. Alle drei schreiben im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Fundación SODIS ihre Abschlussarbeit.

Veronica und Pamela führen dazu Rezept-Workshops mit Lehrenden und Kindern der Dorfschulen durch. Sie versuchen in den Gemeinden, in denen die Datenanalyse auffällige Ergebnisse brachte, einen Weg zu finden, das Gemüse aus dem Schulgarten in den Speiseplan der Schule zu integrieren. Dabei legen sie Wert darauf, dass lokale Lebensmittel mit dem dort angebauten Gemüse kombiniert werden und dass ein kinderfreundliches Gericht entsteht – zum Beispiel Pfannkuchen aus Spinat oder ein gesunder Karottenkuchen.

Miriam widmet sich dagegen einer anderen Problemstellung, die in den vergangenen Monaten beobachtet wurde: der Frage, wie lokale Lebensmittel haltbar gemacht werden können, der Frage nach der Konservierung von Lebensmitteln aus dem Garten. Auch ohne Kühlschränke gibt es die Möglichkeit, eine kühle und abgeschirmte Umgebung für das Gemüse zu schaffen. Miriam greift dabei ein Modell auf, das traditionell schon in anderen ländlichen Regionen in Bolivien benutzt wird. Zwei Tontöpfe mit einer isolierenden Schicht aus Erde sorgen für Temperaturen von bis zu 7 Grad und eine Haltbarkeit des Gemüses von bis zu 25 Tagen. Die ersten Experimente hat Miriam bereits durchgeführt – nun wird ihr Projekt in ausgewählten Dorfschulen praktisch durchgeführt. Die Ernährungsstudie diente den Studentinnen als Grundstein für zwei unterschiedliche Projektideen, die demselben Ziel dienen: der Ernährungssicherheit im Distrikt Micani.


Unser ganzheitlicher Ansatz hat zum Ziel, gemeinsam mit der lokalen

Bevölkerung einen langfristigen Wandel anzustoßen, der nachhaltend eine

Vielzahl an Lebensbereichen betrifft. Unterstütze unsere Entwicklungs-

zusammenarbeit mit deiner Spende und begleiten alle Projektbeteiligten

auf ihrem Weg!



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