Qhari Warmi - Gemeinsam wachsen

Geschlechterungerechtigkeit ist ein globales Problem und auch im stark patriarchalisch geprägten Micani sehr präsent. Nur ca. 2 Prozent der Entscheidungen werden hier von Frauen mitgetroffen. Mit Qhari Warmi möchten wir diese Strukturen durchbrechen und Frauen und Männer zu gleichen Teilen beim Aufbau von Familienunternehmen integrieren. Über den Anbau von Tarabäumen versuchen wir, mehr finanzielle Unabhängig-keit zu gewährleisten und dabei vor allem alle gleich miteinzubeziehen.

Projektvolumen:  ca. 55.000 €

Testphase: Juli 2019 - Dezember 2021

Fundación Sodis, SOCODEVI, Gobierno Autónomo Municipal de San Pedro de Buenavista, ALTERNAID Stiftung für Menschen in Not, Action Five

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Wirkung

Stärken der finanziellen Unabhängigkeit bzw. Aufbau einer nachhaltigen Einnahmequelle für Familien
Empowerment bzw. Fördern der Unabhängigkeit von Frauen und ihrer Mitbestimmung in ihren Familien und in der Gemeinde
Aufbrechen von Geschlechterrollen und Fördern der Geschlechtergleichstellung in Micani
Stärkung des Selbstbewusstseins in der Bevölkerung Micanis über die Erlangung neuer Fähigkeiten/neuen Wissens
Micani: Eine Region für alle!

Wir sind überzeugt, dass wir erst dann das volle Potenzial das volle Potential der Einwohner:innen Micanis und des Distrikts ausschöpfen können, wenn auch alle und nicht nur die Hälfte der Bevölkerung einbezogen wird. In unserem Projekt „Qhari Warmi“ wollen wir deshalb die geschlechterbezogene Gleichberechtigung vorantreiben und gleichzeitig die finanzielle Unabhängigkeit der Familien fördern. Aus dieser Überzeugung heraus schaffen wir seit Juli 2019 ein intensives Schulungsangebot, welches allen Mitgliedern der Gesellschaft, insbesondere den Frauen, zugänglich gemacht wird. Zentraler Bestandteil des Programms ist dabei die Förderung von Familienunternehmen, bei denen Frauen und Männer das Unternehmen zu gleichen Teilen leiten. Der Anbau von Tara Bäumen soll zudem zur finanziellen Unabhängigkeit beitragen.

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Mit Schulungen in eine gemeinsame Zukunft

Um das Programm dem Alltag der Frauen anzupassen, verzichten wir weitestgehend auf zentrale Schulungen, die einer längeren Anreise zum Hauptort des Distrikts bedürfen. Stattdessen finden Schulungen überwiegend dezentral direkt in den Dörfern mit den Familien statt. Eine intensive Zusammenarbeit mit allen BewohnerInnen Micanis kann hierbei nur sichergestellt werden, indem das Team aus Spezialisten im Feld auch durch eine weibliche Kraft verstärkt wird. Hierdurch wird durch das Betreuerteam die erwünschte geschlechterübergreifende Zusammenarbeit vorgelebt und die Möglichkeit geschaffen, gezielt auf die Bedürfnisse (insbesondere der weiblichen) Bevölkerung einzugehen.

Zudem haben die Schulungsinhalte und daraus resultierenden Betätigungsfelder nicht nur einen technischen Fokus. Diversifiziert sprechen die Themen einen großen Teil der Bevölkerung an. Außerdem sollen einige Schulungen speziell auf die Bedürfnisse, Interessen und das Rollenselbstverständnis einiger Frauen angepasst werden, wobei alle Angebote grundsätzlich allen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft freigestellt werden, und auch ein intergeschlechtliches Team explizit gefördert wird. Dies erhöht umso mehr die Produktivität und Effizienz und schafft schlussendlich einen gemeinschaftlichen Diskurs auf Augenhöhe. Neben Gesundheits- und Ernährungsschulungen stellen i.B. auch Einkommen generierende Maßnahmen wesentliche Projektinhalte dar.  Konkrete Schulungsinhalte sind beispielsweise Informationen zum Kleinunternehmertum für Familien, Unterstützung beim Anbau des Tara-Baums und der Weiterverarbeitung der Samen und das Aufklären im Themengebiet der Gleichberechtigung und das Empowerment von Frauen und Familien.

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Den Familien zu ermöglichen, ein höheres Einkommen zu erwirtschaften gibt ihnen die Freiheit mehr in Gesundheit, Ernährung und Bildung insbesondere der Kinder zu investieren und diesen dadurch ein besseres Leben zu ermöglichen.

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~ Christopher Kneip, Projekt-Team Qhari Warmi
Der Tarabaum als Erfolgskonzept

Bei den angesprochenen Einkommen generierenden Maßnahmen handelt es sich umSchulungen im Kleinunternehmertum für Familien: Diese Schulungen beinhalten neben theoretischen und praktischen Themen zu unternehmerischer (also administrative, logistische und handwerkliche) Tätigkeiten, auch eine Beratung und konkrete Hilfestellung bei jedweder Art von unternehmerischer Bestrebung der ExpertInnen. Sie sollen darin bestärkt werden, ihre Ideen in ein gewinnbringendes, sozial-faires Unternehmen zu verwandeln. Speziell wird hier gezeigt, wie mit dem Tara-Baum und dessen Samen ein gewinnbringendes Unternehmen aufgebaut werden kann.

 

Der Tara-Baum ist eine heimische, für das trockene Klima geeignete Pflanze, welche Stoffe für die Verarbeitung von hochwertigem Leder und Nahrungsergänzungsmittel liefert. Im Rahmen einer qualitativen Evaluierung verschiedener Verdienstmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung (Anbau diverser landwirtschaftlicher Produkte, Produktion von handwerklichen Produkten wie Textilwaren) wurde die Tara-Produktion, angesichts der geographischen und klimatischen Rahmenbedingungen, als die vielversprechendste Option identifiziert. Ein erfolgversprechendes Modellprojekt mit ca. 1.000 Familien wird in der benachbarten Region Chuquisaca unter ähnlichen Rahmenbedingungen von der NGO SOCODEVI durchgeführt. Die Schulungen und die Schaffung eines Marktzugangs finden in Zusammenarbeit mit der in diesem Bereich einschlägig erfolgreichen Organisation statt.

Aktuelle Beiträge zu Qhari Warmi
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Gründungshilfe für Familienunternehmen & Dorfkooperativen

In Kooperation mit der Lokalregierung ermöglichen wir jeder Familie, die sich zum Beitritt in die Dorfkooperativen entscheidet, eine Subventionierung der Tara-Setzlinge mit umgerechnet 0,35€. Hierdurch zahlt die Familie für jeden Tara-Setzling, umgerechnet 0,13€, welcher direkt zum Aufbau der Dorfkooperativen genutzt wird. 

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Systematische Diskriminierung: Nur 2 % aller Entscheidungen in der Region Micani werden von Frauen mitgetroffen

Hintergründe

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14.638 Frauen leben in San Pedro de Buenavista, jener Region, der auch Micani zugehörig ist. Nichtsdestotrotz sei die Beteiligung von Frauen auf Gemeinde- und Gewerkschaftsebene weder aktiv noch effektiv, so Nora Fernández (bolivianische Expertin im Feld der Gleichberechtigung und Stärkung von Organisationsstrukturen). 

Weil die Region Micani heute noch so stark patriarchalisch geprägt ist, sind viele Frauen in den Möglichkeiten ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten eingeschränkt. Generell muss zum aktuellen Zeitpunkt gesagt werden, dass Frauen in der lokalen Gesellschaft systematisch diskriminiert werden. So besagt die Studie „Brechas de Genero“ [Helvetas Swiss Intercooperation, 2014] zur gesellschaftlichen Teilhabe der Frau, dass in der Region nur 2% aller Entscheidungen von Frauen mitgetroffen werden. So nähmen sie häufig nur als Zuhörerinnen oder als Köchinnen am Leben der Gemeinde teil, wie Nora Fernandez weiter ausführt. Das liege besonders am weit verbreiteten Analphabetismus, der Verantwortung für Kinder und Tiere, an fehlenden Führungs- und Durchsetzungsfähigkeiten, sowie an der allgemeinen Unkenntnis eigener Rechte.

Nur 30% der Frauen besuchen eine weiterführende Schule und sind daher häufiger von Analphabetismus betroffen

Während die Männer in der Regel bilingual (Spanisch und Quechua) sind, sprechen die meisten Frauen ausschließlich Quechua – obwohl die Amtssprache Spanisch ist.Nur 30% der Frauen besuchen eine weiterführende Schule [EMSA, 2019] und sind daher häufiger von Analphabetismus betroffen. Die geringe Bildung und Aufklärung werden damit in Verbindung gebracht, dass die Geburtenrate der Region mit im Schnitt 7 Kindern deutlich über der nationalen Rate von 4 Kindern pro Frau liegt.

Männer verwalten das Geld im Haushalt

Die Verdienste gelten in den Familien in der Regel nicht als gemeinsam erwirtschaftet: Dadurch, dass es meist die Männer sind, die wirtschaftlichen Tätigkeiten nachgehen, sind sie in den Familien oft die alleinigen Geldverwalter und haben daher mehr Gestaltungsspielraum, Handlungs- und Entscheidungsfreiheit.

70% aller Bolivianerinnen Opfer von Gewalt gegen Frauen

Zu der grundlegenden Diskriminierung kommt erschwerend hinzu, dass Frauen häufig Opfer sexueller, physischer und psychischer Gewalt werden. Nach Zahlen des CIDEM (Centro de Informacion y Desarrollo de la Mujer) sind 70% der bolivianischen Frauen davon betroffen und machen damit die größte Zahl aller lateinamerikanischen Länder aus.

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